Märchenakademie – 

ein transmediales und integratives Bildungsprojekt

Mit der berühmten Formel „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ enden die meisten Märchen. Nur wenige aber haben sich die Frage gestellt, was denn nun mit dem Gestiefelten Kater, Rapunzel oder den Sieben Zwergen passiert ist, nachdem ihre Geschichte von den Brüdern Grimm zu Ende erzählt worden ist. Der 2011 mit dem Kulturförderpreis der Stadt Bamberg ausgezeichnete Autor Dr. Martin Beyer (Corporate Story & Creative Writing) hat sich nicht nur diese Frage gestellt und mögliche Antworten niedergeschrieben, sondern eine umfangreiche Storywelt entwickelt, die die Märchen der Brüder Grimm weiterspinnt. Entstanden ist in diesem Kontext zunächst das Kinderbuch „Titus und der verwunschene Wald“ (Veröffentlichung Juli 2016). Insgesamt elf grimmsche Märchen werden darin aufgegriffen und in eine Rahmenhandlung rund um die Märchenakademie von Grimmelsbergen – eine Schule für zukünftige Märchenexperten – eingebettet. Gemeinsam mit den beiden Identifikationsfiguren Titus Haselschein und der Elfe Rabea Haselschein tauchen Kinder der 3. bis 6. Schulklassen in eine fantastische Lern- und Spielwelt ein, erleben Abenteuer und werden im Rahmen von Workshops, durch Unterrichtsmaterialien, eine App oder eine interaktive Website selbst zu Märchenexperten ausgebildet.

Storywelt

Das Kinderbuch ist dabei nur der Ausgangspunkt für eine einzigartige Kombination von Narration und Didaktik, von Tradition und Innovation: Unter dem Dach der Märchenakademie werden unterschiedliche analoge und digitale Lern- und Spielformen initiiert und gleichzeitig empirisch auf ihre Tauglichkeit überprüft. Die hierzu notwendige wissenschaftliche Expertise bringt Prof. Dr. Julia Knopf (Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe, Universität des Saarlandes) in das Bildungsprojekt ein. Sie setzt sich empirisch und praktisch insbesondere mit digitalen kompetenzorientierten Lehr-Lern-Prozessen im Bereich der Literaturdidaktik auseinander. In der Märchenakademie leitet sie die didaktische Begleitung.

 Darum Märchen! Bildung und kulturelle Teilhabe: Es gibt wohl kein besseres Genre als das Märchen, um bei Kindern eine Bildung zur kulturellen Teilhabe zu etablieren. Denn jede Kultur gibt Orientierung und stärkt das Wertebewusstsein der Kinder zuerst über Märchen und Mythen. Über diese Grundtexte entsteht im Gegensatz zu der Betonung von Unterschieden und Individualität das Gefühl eines kulturübergreifenden Konsenses: Menschen haben als Menschen ähnliche Ängste und Hoffnungen, Sehnsüchte und Werte. Davon profitieren vor allem Kinder unterschiedlichster Herkunft, denn sie merken, dass sich die verschiedenen Nationen in ihren Geschichten häufig dieselben Emotionen und Werte vermitteln, sich viele der Märchen sogar sehr ähnlich sind. Durch eine explizite Verknüpfung theoretischer Inhalte mit empirischen Befunden zum Zusammenspiel von Lernvoraussetzungen und -prozessen sollen innerhalb der Märchenakademie tiefgreifende Kompetenzen im Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht aufgebaut werden.

Aktivitätsbereiche-e1403969142319

Alle Angebote der Märchenakademie sind kompatibel mit den deutschen Bildungsstandards und somit auf den Kompetenzerwerb in den Fächern Deutsch, Musik, Kunst und ggfs. dem Sachunterricht abgestimmt.

Fächergrenzen werden somit durch didaktisch sinnvolle Konzepte auf kreative Weise aufgebrochen: Die Märchenakademie möchte langfristig einen Beitrag zu einer systemischen Veränderung der Schule leisten. Verschiedene Bildungsinstitutionen werden eingeladen, sich an der Märchenakademie zu beteiligen und auch Lehrerfortbildungen gehören zu unseren Aktivitätsbereichen.

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